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Autorenlesung Hedwig Heuss Die vergessene First Lady

Von der Brettheimer Landarztfrau zur First Lady
Erinnerung an Hedwig Heuss soll wach gehalten werden
 
Sieben Jahre empfing sie an der Seite von Bundespräsident Theodor Heuss Staatsgäste. Sie trug seinen Namen, war aber nicht mit ihm verheiratet: Hedwig Heuss (1883 – 1980). Während  in den fünfziger Jahren die populäre und beliebte Persönlichkeit hoch geschätzt wurde, ist sie heute weitgehend vergessen. Die Historikerin Dr. Karin de la Roi – Frey hat aus den Notizen von Hedwig Heuss ein Buch verfasst. In Brettheim, einer Station im Leben von Hedwig Heuss, las und erzählte sie.
in ihrer amüsant vorgetragenen Kurzbiographie beschrieb die Autorin ihren Lebensweg von der Jugend auf der Nordseeinsel Föhr über ihren Beruf als Lehrerin, ihre Promotion als Historikerin und schließlich ihren Umzug in die neue Heimat Schwaben an der Seite ihres Ehemannes, um dann sofort zu ihrer Herzensangelegenheit zu kommen: Die vergessene First Lady Hedwig Heuss  sollte besonders in Brettheim, wo sie von 1908 bis 1913 gelebt hatte, bekannt und geschätzt werden.
Kurzweilige Erzählungen im Wechsel mit Leseproben aus ihrem Buch brachten die mehr als dreißig Brettheimer Zuhörer mehrfach zum Schmunzeln, erfuhren sie doch neben historischen Begebenheiten auch so manche erstaunliche Neuigkeit über schier unglaubliche Verhaltens-weisen ihrer Vorfahren. So erlaubten sich die Dorfbewohner nach einer überaus herzlichen Aufnahme des frisch vermählten Arztehepaares ungewollte Einblicke ins Allerprivateste. Oder: Der Gesangverein, angetreten zum Ständchen anlässlich der ersten Niederkunft von Hedwig Heuss, zog gesanglos wieder ab als bekannt wurde: „Bloß a Maadle!“
Das 1910 bezogene Arzthaus, vom dritten Heuss – Bruder, dem Architekten Hermann Heuss entworfen und von Brettheimer Handwerkern erbaut, sorgte bei den Einheimischen für etliches Erstaunen aufgrund seiner für ein Dorf erstaunlichen Bauweise.
 
Der Abschied von Brettheim nach fünf Jahren fiel dem Arztehepaar anscheinend leicht, denn nach den Pflichtjahren als Landarzt erwartete ihn in Heilbronn eine lukrativere Stelle als Stadt- und Schularzt, die er bis zu seinem Tod 1932 innehatte.
Die Verbindung zu Brettheim blieb dennoch bestehen, denn während der Heilbronner Jahre war die Brettheimerin Pauline Schmidt (1891 – 1990) Haushälterin  im Arzthause Heuss. Diese Verbindung zu Familie Schmidt sollte sich in den kargen Nachkriegsjahren ab 1945 als Segen erweisen, denn die Witwe Hedwig Heuss, damals in Ludwigsburg lebend, erhielt von Sophie Schmidt immer wieder Esspakete. In Hedwig Heuss´ Notizen ist zu lesen: „Wenn wir Sophie nicht gehabt hätten, wir wären verhungert!“
Als Hedwig Heuss 1952 nach dem Tod von Theodor Heuss Ehefrau Elly Heuss – Knapp die zweite First Lady der jungen Bundesrepublik wurde, konnte sie sich revanchieren. Jetzt kamen bei Familie Schmidt Päckchen aus Bonn an, wie Hermann Schmidt, der vor kurzem verstorbene Neffe von Pauline Schmidt erzählte: „Da ist manches zu uns ins Haus gekommen!“ So kam Hermann Schmidt´s Vater in den Genuss bester Zigarren, von Hedwig Heuss kommentiert: „Fritz, ob der Bundespräsident eine mehr oder eine weniger raucht, das macht nichts aus.“
Breiten Raum in den Erinnerungen von Hedwig Heuss nehmen natürlich die sieben Jahre von 1952 bis 1959 in der Villa Hammerschmidt in Bonn ein. Die Schwägerin des Bundespräsidenten, immerhin schon siebzig Jahre alt, zeigte keinerlei Berührungsängste mit Staatsmännern, Kaisern und Königen, Politikern und Kirchenvertretern, Künstlern, Gelehrten und sonstigen Prominenten. Durch ihre heitere und mütterliche Art und aufgrund ihrer guten Englischkenntnisse verstand sie sich mit jedem Gast oder Gastgeber und natürlich auch mit deren Partnerinnen.
Nach dem Abschied von Bonn im Jahre 1959 hat Hedwig Heuss sich im sozialen Bereich engagiert und zahlreiche Projekte ins Leben gerufen. Gerne kam sie auch immer wieder nach Brettheim, so z. B. 1965 zur Hochzeit von Hermann und Else Schmidt. 1980 ist sie im Alter von 97 Jahren verstorben. Auf dem Hauptfriedhof in Heilbronn ist sie neben ihrem Mann Ludwig Heuss begraben.
 
Mit einer durchaus ernst gemeinten Aufforderung entließ die Referentin ihre  aufmerksamen  Zuhörer:  Nirgendwo in Deutschland gibt es eine Straße, die an die zweite First Lady der Bundesrepublik erinnert. Mit einer „Hedwig – Heuss – Straße“ könnte Brettheim aktiv mithelfen, die vergessene First Lady zu rehabilitieren und wieder bekannter zu machen.

 Dr. Karin de la Roi - Frey appelliert an die Brettheimer:
Dr. Karin de la Roi - Frey appelliert an die Brettheimer: "Lasst die Erinnerung an diese herausragende Frau nicht verblassen!"

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